
Ein junges Bauernehepaar, mit zwei lebfrischen Kindern gesegnet, lebte einst in der Nähe des heutigen Wasserfalles "Zum toten Weib". Ein wüster, kecker Holzknecht kam oft in die Hütte des jungen Paares, obwohl es der Bauer nicht gerne sah. Mit allerlei kleinen Geschenken suchte er die hübsche Bäuerin zu betören; als dies ihr Mann bemerkte, verbot er ihr jeden Kontakt mit dem zudringlichen Burschen. Die Frau aber folgte nicht, und so kam es öfter zu heftigen Streitereien, und der Friede des Hauses war dahin.
Eines Tages, als wieder einmal ein heftiger Streit entstand, eilte die Frau zornig aus dem Hause. Draußen aber wartete schon der böse Holzknecht, und beide eilten in die Nacht hinaus.
Nach einigen Tagen wurde der Leichnam der jungen Bäuerin zerschmettert am Fuß der Felsen beim Wasserfall gefunden. Seit dieser Zeit führt der Wasserfall den Namen "Zum toten Weib".

In früheren Zeiten dauerte die Militärzeit sieben und mehr Jahre, und die Soldaten wurden sehr hart oft geradezu grausam behandelt. Es kam daher häufig vor, dass die jungen Männer in die Berge flüchteten, um nicht einrücken zu müssen, und sich dort jahrelang versteckt hielten. Viele Burschen wurden von eigens bestellten "Fängern" verhaftet und in den Soldatenrock gesteckt.
So erging es auch einem Bauernburschen aus der Frein. Das Heimweh und die Sehnsucht nach einer lieben Braut, einer schmucken Sennerin, verleiteten den Soldaten zur Flucht von der Truppe. Er wurde wieder eingefangen und zum "Spießrutenlauf" verurteilt.
Trotzdem flüchtete er noch ein zweites Mal, wurde wieder eingefangen und nun zum Tod verurteilt und auch wirklich erschossen.
Wenige Tage nachher fand man die Sennerin am Fuß jener Felswand tot liegen, aus der hoch oben aus einer Höhle ein mächtiger Wasserfall strömte. Ein eisernes Kreuz auf einem Felsblock soll die Stelle bezeichen, wo die junge Sennerin zerschmettert aufgefunden wurde. Daher der Name "Zum toten Weib".