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Baugeschichte der Kirche und des Pfarrhofs zu Mürzsteg


1327 - Stiftsgründung in Neuberg an der Mürz
Als eigentliche Stunde Null für Mürzsteg kann man die Klostergründung in Neuberg ansehen.
Herzog Otto der Fröhliche stiftete das Kloster im Jahr 1327 und übergab den Zisterziensermönchen unter anderem auch das Gebiet des heutigen Mürzstegs als Lehen.
Noch im selben Jahrhundert bauten die Mönche an der Stelle auf der heute Pfarrhof, Kaufhaus und Kirche stehen einen Meierhof ein Jagdhaus und eine kleine Kapelle.
Von diesen urspünglichen Gebäuden zeugen heute noch ein steinernes gothisches Fenster und die Reste einer Sonnenuhr auf der Rückseite des Pfarrhofs.


1492 - Grabplatte des Bartholomäus Dremel
Der Volksmund erzählt, daß ein Neuberger Abt auf einer Pilgerreise nach Mariazell unterwegs erkrankte und in Mürzsteg verstarb. Er wurde in der Kapelle von Mürzsteg beigesetzt.
Tatsächlich befindet sich an der westlichen Außenmauer der heutigen Kirche eine rötliche Steinplatte mit den Maßen 170 x 72 cm. Darauf ein Ganzkörperreliev des Franziskus DREMEL ( TREMEL ) im Ornat eines Abtes. Ihm zu Füßen erkennt man eine Wappenschild mit einem Krug; möglicherweise das Wappen von Krieglach. Über seinem Kopf in Römischen Zahlen die Jahrzahl 1492.
Wo in der neuen Kirche Abt Dremel seine endgültige Ruhestätte hat ist nicht bekannt.

1691 - Ausbau des Pfarrhofes
An der westlichen Giebelwand des Pfarrhofes erkennt man die Jahreszahl 1691. Dieses Datum bezeichnet höchstwahrscheinlich das Jahr des Ausbaues des Pfarrhofes. Das ursprüngliche, gotische Jagdhaus wird in Richtung Osten verlängert, um die Arkaden an der Nordseite verbreitert und aufgestockt. Bei der Pfarrhofrenovieung 1993 wurden die Ausmaße des ursprünglichen Baues durch Mauerfugen an der West- und Südseite des Gebäudes markiert. Vom gotischen Jagdhaus zeugen heute noch auf der Südseite ein gotisches Sandsteinfenster sowie Reste einer Sonnenuhr.


1785 - Neubau der Kirche; Mürzsteg wird eine eigene Pfarre
Nach einigen Bittgesuchen des damaligen Pfarrers von Neuberg, Joseph BERGER, wird Mürzsteg eine eigene Pfarrgemeinde. Etwa um diese Zeit wird auch die Kirche anstelle der ursprünglichen Kapelle errichtet.
Diese erste Kirche ist, wie allgemein üblich, Richtung Osten orientiert. Die Südwand des einschiffig-, zweijochigen Langhauses schließt direkt an den Pfarrhof an, in welchen sich auch die Sakristei befindet. Die Lage des damaligen Kirchenportals ist nicht bekannt, dürfte aber auf der Nordseite, dem Eingang in die Sakristei, genau gegenüber gelegen sein.
Der Altarraum liegt in einem rechteckigen Anbau an der Ostwand und hat nach jeder Seite hin ein kleines, sehr hoch liegendes Fenster.
Der Kirchturm sitzt als achteckiger Dachreiter mit Zwiebelkappe über der Westseite des Langhauses und hat bereits die heutige Form.
Auf der nördlichen Außenseite befindet sich, in einer Nische eines Stützpfeilers, die Statue des Hl. Leonhard. Über die Innenausstattung der ursprünglichen Kirche ist sonst leider nichts bekannt.


1887 - Einbau der Kirchturmuhr
Im Jahr 1887 bestellt der damalige Pfarrer von Mürzsteg, beim Uhrmachermeister Andreas BERTHOLD aus Gnas eine Turmuhr für die Kirche. Die Uhr wird noch im selben Jahr an der westlichen Giebelwand montiert. Sie besitzt ein Stunden-, sowie ein Viertelstundenschlagwerk, das über Seile, Umlenkhebel und Hämmer die zwei Glocken im Turm anschlägt. Wie bei vielen Turmuhren dieser Zeit sind die Zeiger vertauscht, d. h. der große Zeiger zeigt die Stunden, der Kleine die Minuten.


1898 - Der große Umbau der Pfarrkirche
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerungszahl von Mürzsteg ständig angestiegen. Sie erreicht um 1890 mit 2360 Einwohnern ihren Höchststand. Für diese Einwohnerzahl war die alte Kirche mit ihren 6,50 x 9 Meter großen Innenraum zu klein geworden. Der Umbau der Kirche wird schon seit einigen Jahren gefordert, scheitert aber immer an der Frage der Finanzierung. Im Jahr 1898 schließlich feiert Kaiser FRANZ JOSEPH I sein 50jähriges Regierungsjubiläum. Zur Feier dieses Anlasses bewilligt der Kaiser 50.000,-- Kronen und ordnet den fälligen Umbau an.


Im Februar desselben Jahres werden bereits Pläne und Ansichten der neuen Kirche vom K. K. Hofingenieur Carl BERTELE erstellt und im Frühling mit dem Bau begonnen.
Die Ostwand der bestehenden Kirche wird mitsamt dem Altarraum abgerissen und ein einschiffig-, dreijochiges Langhaus angebaut. Dieser Anbau, mit 10,80 m Höhe und 10,30 m Breite, deutlich größer als das alte Kirchenschiff, wird zum neuen Chorraum. Die Gesamtlänge wächst auf über 23 Meter. Gleichzeitig übersiedelt der Altar an die Westwand; die neue Kirche ist nun „verkehrt“, d. h. sie ist nach Westen orientiert. (In Mürzsteg wird erzählt, daß Kaiser Franz Joseph die „falsche“ Ausrichtung seiner Kirche so sehr störte, daß er sie nie betreten haben soll.) Der Bau geht zügig vonstatten und bereits am 1. Oktober 1898 wird die neue Kirche eingeweiht.


2000 - Umbau- und Renovierungsarbeiten
Im Zuge der Umbau- und Renovierungsarbeiten wurde ein Barockseitenaltar, als Geschenk der Pfarre Mürzzuschlag, an der Südwand der Pfarrkirche neu aufgestellt.

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